Geboren in Rom, groß geworden mit Frascati, heute Teilhaber des traditionsreichen Weinhandelshauses Valckenberg: Peter Bohn spricht über seine Liebe zu gutem Essen, gutem Wein – und zur Nassrasur. Ein Gespräch über Rituale, Achtsamkeit und die Kunst, den Alltag zu genießen.

„Ich rasiere mich richtig gerne“

Peter Bohn liebt die schönen Seiten des Lebens, er ist in Rom geboren – er sagt, er sei mit Frascati aufgewachsen, daher auch seine Affinität zu gutem Essen, gutem Wein und ja, auch guter Pflege. Er ist Teilhaber des renommierten, 1786 gegründeten Weinhandelshauses Valckenberg mit Sitz in Worms.

Herr Bohn, es ist 10 Uhr morgens – was haben Sie heute schon für sich getan?

Ich finde, man sollte alle Dinge, die man in seinem Alltag sowieso erledigen muss, für sich tun: kochen, essen, rasieren – auch Schuhe putzen! Wenn diese Sachen reine Pflichten sind und man sich dabei nicht auch ein wenig verwöhnt, ist man jeden Tag dazu gezwungen etwas zu tun, das einem keinen Spaß macht. Insofern: Ich rasiere mich richtig gerne – und das habe ich heute schon für mich getan!

Was ist schön an der Rasur?

Grundsätzlich finde ich eine Nassrasur wesentlich besser, gründlicher als eine Trockenrasur. Wenn man Dinge mit Achtsamkeit angeht, findet man mehr Ruhe und startet anders in den Tag. Was gestern war, kommt ab, heute ist alles frisch, neu – diesen Ritus mag ich.

Sie sind nach dem Studium in die Weinbranche eingestiegen. Wir müssen die Frage stellen: Macht Wein schön?

Auf jeden Fall! Wein macht alles schöner. Die Weinlaune ist philosophisch und beim Philosophieren wird man schön. Es gibt Weine, die sind so gut, da kommen einem fast die Tränen. Das ist kein Blödsinn! Tucholsky sagte: Schade, dass man Wein nicht streicheln kann.

Können Sie sich an Ihre erste Rasur erinnern?

Natürlich. Die war elektrisch, mit einem Braun-Rasierer, um 1986 herum. Der Rasierer war ein Geschenk meiner Eltern, ich meinte, ich bräuchte so was jetzt.

Heute rasieren Sie lieber nass. Wie kommt’s?

Schon in den 80ern habe ich aufgehört, mich elektrisch zu rasieren. Wahrscheinlich wegen Bud Spencer und Terence Hill – die haben sich auch ausschließlich nass rasiert, das hat mich beeindruckt.

Welche Pflegerituale haben Sie neben der Rasur?

1985 bekam ich mein erstes Haargel von einer Freundin geschenkt, das fand ich echt spektakulär. Seitdem muss ich mir das wenige Haar, das ich noch habe, eingelen. Und sonst? Was man eben so machen muss: Haare waschen, sich einseifen – mit Bioseifen. Ich hatte früher schlimme Neurodermitis, deshalb kommt mir keine Seife ins Bad, die künstlich parfümiert ist.

Mögen Sie Parfüms?

Ich habe eins, Chanel Le Bleu, das finde ich gut. Ich mag Düfte ohne Schnickschnack. Unnatürliche Parfüms finde ich schrecklich. In der Weinszene ist es ohnehin ein No Go, sich stark einzuparfümieren. Auch Handcremes sind nicht erwünscht. Alles muss geruchsfrei bleiben, damit man die feinen Aromen der Weine riechen kann.

Ohne welche Produkte gehen Sie nicht auf Reisen?

Tatsächlich nicht ohne meinen Reiserasierer von MÜHLE, meine Frau hat mir den mal geschenkt. Ich habe ihn immer dabei, obwohl ich ihn meist auspacken muss, wenn ich ihn im Handgepäck habe, da er oft für eine Art von Waffe gehalten wird. Der ist ein Stück Heimat in der Fremde – wie ein Teddybär für Kinder.

Das unterschätzteste Kleidungsstück für den Mann?

Ich finde, Kleidung sollte man prinzipiell nicht überbewerten. In Amerika sieht man oft Typen in abgenutzten Shorts und Shirts, die aber die wichtigsten Geschäftsmänner sind. Wenn jemand bereit ist, für einen Anzug richtig Geld zu lassen und dazu billige, ausgelatschte Schuhe trägt, finde ich das nicht authentisch. Das ist mir andersrum lieber. Oft sieht man das vor Weingütern: Da stehen richtig fette Autos, die Leute laden einfache Weine ein und in den verrosteten Golf 2 kommen die großen Gewächse.

Dieses Interview ist zuerst in der gedruckten Ausgabe von 30 Grad im Herbst 2016 erschienen.