„Ich wasche meine Haare nur mit Eiern“
Der gebürtige Däne Sigurd Larsen studierte an der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen, bevor er sich als Architekt und Produktdesigner und Produktdesigner selbstständig machte. Larsen lebt in Berlin-Kreuzberg.
Herr Larsen, Sie wohnen seit 2008 in Berlin. Wie hat sich der Stil der Männer seitdem verändert?
Die Berliner waren schon immer gut gekleidet. Sie sind exzentrischer als die Männer in Kopenhagen. In den Nuller-Jahren sollte alles extrem informell aussehen, während es heute nicht klassisch genug sein kann. Das sehen wir auch bei der Bartkultur. Niemand hat vor zehn Jahren Kaiserbärte getragen – das war altmodisch. Heute ist es Mainstream. Ich finde es toll, zu beobachten, was die Leute tragen. Das Aussehen kann viel Kreativität ausdrücken. Ich schätze das Expressive an Berlin. Ich würde gerne in einer Stadt leben, wo alle herumlaufen wie Lady Gaga. Menschen halten zu viel zurück.
Mit Mode und Stil beschäftigen sich Männer mittlerweile gerne. Wie steht’s mit Beauty-Fragen?
Es sind immer noch meistens die Frauen, die ihren Männern die Pflegeprodukte kaufen, das sagt doch schon viel! In den Filialen der großen Parfümerieketten, zwischen den Regalen voller Frauendüfte mit den stark geschminkten Verkäuferinnen fühlen sich die meisten einfach unmännlich. Daher sind Concept Stores für Männer ein Segen.
Reden Sie mit Ihren Freunden über Grooming-Themen?
Wenig, aber ich hätte kein Problem damit. Ich schätze es, wenn ich etwas Neues entdecke, wie kürzlich ein Gesichtsöl von einem New Yorker Hersteller. Das macht mich ziemlich glücklich, weil ich mich den ganzen Tag frisch damit fühle.
Ist das Älterwerden ein Thema?
Anti-Falten Cremes?
Oder graue Haare. Dass der Körper sich verändert?
Mein Bart wird grau.
Und – zupfen Sie die grauen Haare?
Nein, ich bin stolz darauf, ich finde graue Haare toll. Aber es ist tatsächlich ein großes Thema. Und die enorme Arbeit, die es für Männer bedeutet, über 30 Jahre alt zu sein und keinen Bauch zu kriegen! Ich zum Beispiel gehe mehrmals die Woche joggen, fahre Fahrrad, gehe schwimmen.
Haben Sie Grooming-Rituale?
Ohne Feuchtigkeitscreme fühle ich mich nicht gut. Die Haut wird trocken. Und gut zu riechen finde ich wichtig – ich besitze mehrere Parfüms. Wenn man einen neuen Duft aufträgt, hat man das Gefühl, heute wird etwas anders. Interessanterweise fühle ich mich schnell gut gekleidet, wenn ich gut rieche.
Wie stylen Sie Ihr Haar?
Mein Haar ist easy going, da brauche ich nicht viel zu machen, das hat sein eigenes Leben. Jedoch wasche ich es seit ich 19 bin nur mit Eiern.
Wie bitte?
Ja, mit Eiern und Öl. Das funktioniert wie Shampoo. Alle Fette gehen raus. Ich habe so eine Hippie-Tante in Kopenhagen, eine Künstlerin, sie hat mir das empfohlen. Allerdings muss eine Null drauf stehen, dann weiß ich, die sind von freilaufenden Hühnern.
Können Sie sich an Ihre erste Rasur erinnern?
Klar. Ich war 13 und habe das Rasurset meines Vaters benutzt. Ich hatte ihm ja hunderte Male dabei zugesehen. Ein ganzes Jahr lang wollte ich mit meinen Eltern nicht darüber sprechen. Das ist diese peinliche Zeit, wenn man als Teenager ein bisschen Bart kriegt, das sieht ja so doof aus! Man versucht zu rasieren, ohne dass die Eltern es mitkriegen. Ich wollte die Kommentare vermeiden: Jetzt wirst du ein Mann, hihihi …
Gehen Sie in klassische Barbiersalons?
Ich war vor Ewigkeiten in der Türkei mal bei einem. Man trinkt einen Kaffee, tauscht sich aus und gleichzeitig bekommt man den Bart gut gestutzt. Das ist doch ein toller Luxus!
Dieses Interview ist zuerst in der gedruckten Ausgabe von 30 Grad im Frühjahr 2016 erschienen.