Joachim Baldauf über Jeff Bridges als frühes Stilvorbild, die Magie vollbärtiger Männer und warum ein weißer Bart mehr über Charakter erzählt als über Mode.

„King Kong hat mich geprägt“

Joachim Baldauf ist einer der gefragtesten Modefotografen Deutschlands. Und er hatte ein Faible für bärtige Männer – schon lange bevor der Bart in Mode kam.

Warum tragen Sie Bart?

Ein Schlüsselmoment war der King-Kong-Film von 1976. Jeff Bridges als Jack Prescott war mein Stilvorbild.

Aber da waren Sie doch noch ein Kind?

Ich war etwa 13, als ich ihn zum ersten Mal sah. Jeff Bridges war einfach toll. Ich konnte kaum erwarten, dass mir Haare im Gesicht wuchsen. Seitdem trage ich stets Bart. Im Moment habe ich einen richtigen Vollbart, ganz schön weiß, ich sehe aus wie der Nikolaus.

Das steht Ihnen gut!

Danke, ich fühle mich auch wohl damit. Mit der Haarfarbe verändert sich die Wahrnehmung der Menschen. Als mein Bart noch schwarz war, hatte er eine gewisse Strenge, durch das Grau wirkt er sanfter.

Sie fotografieren gern vollbärtige Männer. 

Ich suche mir gern Models, die so aussehen wie ich. Nur schöner (lacht).

Was bedeutet männliche Schönheit für Sie?

Das hat für mich wenig mit dem Äußerlichen zu tun. Ich finde es immer wieder faszinierend zu beobachten, dass oft ganz zarte Jungs besonders verantwortlich und männlich sind. Mir imponieren väterliche, starke und unprätentiöse Typen.   

Was tun Sie selbst für Ihre Schönheit? 

Ich dusche, putze mir dabei die Zähne, wasche Haare und Bart mit demselben Shampoo und creme nachher den ganzen Körper und das Gesicht mit einer einzigen Mandelcreme ein. Die benutze ich fürs Gesicht, den Körper und manchmal sogar für die Schuhe. 

Wie pflegen Sie den Bart? 

Ich gehe alle paar Wochen zum Barber und lasse ihn schneiden. Und ich wasche den Bart nach dem Essen. Manchmal föhne ich ihn.

Tauscht man sich unter Männern über so etwas aus? 

Ja, natürlich. Insbesondere rund um den Bart hat sich ja ein echter Kult entwickelt.

Haben Sie sich jemals glatt rasiert? 

Nur einmal an meinem 40. Geburtstag. Das fühlte sich komisch an. Auf meiner eigenen Geburtstagsparty wurde ich nach der Einladung gefragt. 

Dieses Interview ist zuerst in der gedruckten Ausgabe von 30 Grad im Frühjahr 2020 erschienen. Das Heft ist hier kostenfrei zu abonnieren.