Ein Laden, der bleibt – Taylor of Old Bond Street und die Kunst der Beständigkeit
Es gibt kaum noch Orte, an denen Menschen ihr halbes Leben verbringen. Bei „Taylor of Old Bond Street“ ist das anders. Neil Stanton steht seit unglaublichen 48 Jahren an seinem Barberstuhl, Barry Klein ist seit über 25 Jahren dabei. Eine andere Kollegin kommt auf 35 Jahre Betriebszugehörigkeit. In einer Zeit, in der Karrieren oft kurzlebig sind, ist das eine Seltenheit. „Hier kennt man sich, hier bleibt man“, sagt Stanton. „Viele unserer Kunden kommen auch seit Jahrzehnten – für eine halbe Stunde alle paar Wochen, wir kennen uns – sind Freunde.“
Seit 1854 gibt es das Geschäft, das längst eine Institution in der Londoner Jermyn Street ist. Einst führte der Weg zur klassischen Rasur in den Keller, heute ist der Laden ein Aushängeschild britischer Herrenpflege. „Früher kamen Männer alle zwei Wochen zum Haareschneiden, zur Rasur meist noch öfter“, erinnert sich Klein. Die Zeiten haben sich geändert, doch das Handwerk und die Atmosphäre sind geblieben.

Die Jermyn Street hat ihre eigene Dynamik. Hier reihen sich Maßschneider, Schuhmacher und Spezialisten für Herrenausstattung aneinander. „Früher war das Publikum noch konservativer – manche wollten nicht einmal von einer weiblichen Barberin bedient werden“, erzählt Klein. Heute hat sich das gewandelt, doch die Straße bleibt eine Bastion klassischer Eleganz.
Taylor of Old Bond Street verkauft Rasiercremes, Aftershaves und Haarwasser – Produkte, die man eher mit Vergangenheit als mit Trends verbindet. „Wir nehmen kaum etwas aus dem Sortiment“, sagt Klein. „Wir passen es an, verbessern es – aber die Tradition bleibt.“



Der Online-Handel wächst, doch der Laden bleibt der Dreh- und Angelpunkt. „Für viele unserer Kunden ist unser Geschäft eine feste Station während ihrer regelmäßigen London-Trips“, sagt Klein. Viele Kunden würden nicht nur zum Einkaufen vorbeikommen, sondern manchmal auch einfach nur für einen guten Plausch.